1994

Medusa

Aus der Schweiz kommt der erste Atari-Clone: die Medusa. Was ursprünglich nur als Turbokarte gedacht war, wurde ein ausgewachsener Profi-Computer, der jedoch vom Preis her eher unattraktiv war (7750 DM). Die Medusa war sehr leicht erweiterbar und verwendete teilweise Standard-PC-Bauteile. Da aber sehr viel Wert auf Kompatibilität gelegt wurde, besaß die Medusa mehrere ST-Bauteile, die den Preis des Computers zusätzlich erhöhten. Diese Rücksicht auf die Vergangenheit war umso erstaunlicher, da die Zielgruppe der Medusa sicherlich nicht der normale ST-Besitzer war, sondern Profis, deren Software auch auf einem Computer mit geringerer Kompatibilität laufen würde.

Atari steigt aus Computermarkt aus

Obwohl immer wieder Gerüchte auftauchten, wird 1994 klar, das Atari aus dem Computermarkt aussteigt. Der technologische Vorsprung, den der Falcon 1992 noch hatte, war weitestgehend dahin, die großen Spielefirmen sahen keine Notwendigkeit, den Falcon zu unterstützen, denn die Verkaufszahlen waren eher gering.

Ein Magazin, das durch ein Gerücht bekannt wird, ist die Atari Inside. Dort wird in einem Artikel über einen möglichen Atari-Computer namens Atari Milan geschrieben. Warum der nun Milan heißen könnte, wurde nicht erwähnt, dafür gab es wilde Spekulationen in der Atari-Gemeinde. Aber der Artikel war kein Insider-Bericht und die Atari-Inside keine Hellseher. Nach zwei Jahren hatten die Verantwortlichen der Zeitung dann wohl das Warten satt und begannen mit ihrem eigenen Atari-Clone und der hieß - Milan.

Neo Geo CD

Eine Nischenkonsole, die neu belebt wurde, war das Neo Geo. Diese Konsole besaß die Technik, die auch in SNKs Automaten arbeitete, litt aber am hohen Preis der Module (bis 600 DM). Das Neo Geo CD machte damit Schluß, die CDs kosteten vergleichsweise geringe 130 DM. Der Hauptnachteil des Neo Geo, die eingeschränkte Spieleauswahl, blieb. Weiterhin kamen dutzende von Prügelspielen heraus, die 85% des Spieleangebots ausmachen.

Geschütztes Windows

(Oktober) Microsoft hatte es endlich geschafft: Windows ist ein geschütztes Warenzeichen. Befürchtungen vieler Hersteller, Microsoft könnte horrende Lizenzgebühren für das Logo verlangen, bewahrheiten sich nicht.

Eagle

(Oktober) Der Atari-Clone Eagle, war nach langer Entwicklungszeit endlich fertig. Das besondere an dem Computer war die Prozessorkarte, die standardmäßig mit einem 68030 bestückt war. Verschiedene Prozessoren sollte es geben, im Gespräch waren 68040, PowerPC und Intel 80486. Hoffnungsvoll bestellten einige einen Eagle für 3500 und stellten fest, daß die erste Serie eine Reihe von Produktionsfehlern aufwies. Zu einer zweiten Produktionsserie kam es nie, der Hersteller GE-Soft meldete Konkurs an und damit erlosch die Garantie. Ein Jahr später dürften Eagle-Besitzer ihren Rechner gegen den Hades gegen Aufpreis umtauschen.

CD-ROM auf Siegeszug

Die CD-ROM hat wohl endgültig ihren Durchbruch geschafft. Zwar sind einige Spiele noch auf Diskette erhältlich, aber entweder man wird zum Diskjockey oder es wird am Spiel selber gespart. Das Medium wird langsam auch richtig ausgenutzt, obwohl die Produktionskosten eines CD-Spiels höher sind, als eines Disketten-Spiels. Dafür waren CDs - damals - nicht so einfach kopierbar. Das größte Versandhaus, Otto-Versand, bot seinen Katalog erstmals auch auf CD-ROM an.

Atari Jaguar

Atari steckte in einer Krise. Seit dem Mißerfolg mit dem Falcon fing die Firma wieder an, rote Zahlen zu schreiben. Händler wanderten ab und eine erneute Initiative im Computer-Markt erschien angesichts der PC-Übermacht sinnlos. Erfolgsversprechender erschien da noch der Konsolen-Markt, denn ein Generationswechsel erschien überfällig.

Seit längerer Zeit arbeiteten Atari-Entwickler an zwei Konsolen: dem 32-Bit Panther und dem 64-Bit Jaguar. Obwohl zumindest ein Spiele-Programmierer (Jeff Minter) bereits an einem Panther-Spiel arbeitete, stoppte Atari aufrgrund des bereits weit fortgeschrittenen Jaguars den Panther.

Der Jaguar war die erste 64-Bit Konsole überhaupt. Wie so oft war die Bit-Bezeichnung Ansichtssache, denn nicht alle Komponenten des Jaguar arbeiteten mit 64-Bit. Die Entwicklerliste faßte schnell mehr als 140 Einträge, doch die Spiele blieben aus. Monatelang beschränkte sich die Anzahl der Neuerscheinungen auf zwei bis vier Spiele pro Monat und Ataris Programmierer hatten wenig Erfahrung mit dem Entwickeln eigener Spiele. Rühmliche Ausnahme unter den Fremdentwicklern war id Software, die die in indizierten Spielen "Wolfenstein 3D" und "Doom" vom PC umsetzten. Überhaupt ging es ziemlich blutig auf dem Jaguar zu, doch der Großteil der Spiele waren halbherzige Umsetzungen vom Mega Drive/Super Nintendo. So kam es, daß der Zeitvorsprung verspielt wurde - Playstation und Saturn hatten freie Bahn.

Die restriktive Spiele-Politik Ataris schadete dem Jaguar zusätzlich - fertige Spiele wurden abgelehnt (Worms) und von jedem verkauften Jaguar-Spiel wollte Atari 5 Dollar abhaben. Insgesamt erschienen nur etwas mehr als 50 Spiele.

Der Rechtsstreit zwischen Atari und Sega wird mit einer Einigung beendet. Atari hatte Sega mehrerer Verletzungen von Patenten angeklagt. Denn Atari besaß noch aus der VCS-Ära einige Patente für das Scrolling bei Spielen und konnte so prinzipiell fast jeden Hersteller verklagen. Durch verschiedene Klagen machte Atari sich bei vielen Herstellern unbeliebt.

Sega beteiligte sich mit 40 Millionen Dollar an Atari und es wurde eine Partnerschaft vereinbart. Aus der Vereinbarung, Spiele gegenseitig zu lizensieren entwuchsen große Hoffnungen, doch Sega fand wohl kein Jaguar-Spiel, das den Saturn ausnutzen könnte und Ataris Programmierer hätten die Sega-Highlights wohl nie in ansprechender Qualität auf den Jaguar umsetzen können.

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