1983

Commodore 64 in Deutschland

1983 stand ganz im Zeichen des Volkscomputer 64 - VC64 (so war eine zeitweilige Bezeichnung). Die Markteinführung in Deutschland stand an, nachdem der C64 schon 1982 in Amerika präsentiert wurde. Schnell hatte sich der liebevolle Name "Brotkasten" eingebürgert. Für rund 1300 DM konnte man ihn erwerben, ebensoviel kostete die Floppy. Die Preise sanken jedoch schnell und seine Popularität wuchs.

Commodore 710/720

Neben den Heimcomputern kümmerte sich Commodore weiter um die Nachfahren des PET, die nur noch einfache Nummern-Bezeichnungen trugen. Die Commodore 710 und 720 konnten einen Großteil der Peripherie des C64/VC20 verwenden, besaßen jedoch ein besseres Basic und 80 Zeichen-Darstellung. In den Büros trat jedoch langsam der IBM-PC und seine Clones die Nachfolge der Commodore-Rechner an.

Commodore SX64

Ein neues C64-Modell zeigt Commodore im Januar. Der SX64 ist eine transportable Ausgabe mit eingebautem 5-Zoll Farbmonitor und 5.25 Zoll Laufwerk. Der Erfolg blieb jedoch aus, denn wirklich netzunabhängig war der SX64 nicht. Mit seinen 10,5 Kilo war der SX64 alles andere als ein Leichtgewicht.

Apple Lisa

Apples┬┤ erster Versuch einen Computer mit grafischer Benutzeroberfläche zu konstruieren hieß Lisa. Apple hatte vorher die Lizenzen von Rank Xerox gekauft, die eine Frühform einer Benutzeroberfläche in den 70┬┤ern entworfen hatten. Die Lisa war mit einem mit 5 MHz getakteten 68000 Prozessor ausgestattet, 1 MB RAM und einem 12-Zoll Monochrommonitor. Dies trieb den Preis in die Höhe und als dann alle, die die Lisa in Aktion sahen, sehen konnten, wie langsam das Gerät ist, war die anfängliche Begeisterung schnell erloschen. Der Einführungspreis betrug 10000 US-Dollar und Apple setzte große Hoffnungen in das Gerät - immerhin steckten darin 150 Millionen Dollar Entwicklungskosten. Lisa wurde ein Reinfall, insgesamt konnte Apple nur 100000 Geräte absetzen und wären die Verkäufe des Apple II nicht so gut gewesen, hätte es weder den Macintosh noch Apple gegeben.

Der Macintosh war schließlich eine verbesserte Lisa, nur der Preis blieb ähnlich hoch.

Timex TS1500/2000

August 1983: Timex reagierte auf die Kritik am Timex TS1000 mit dem TS1500. Da die 16-KB-RAM-Erweiterung des TS1000 nur unzureichend produziert wurde und zudem auch sehr empfindlich war (ein Wackeln und der Computer stürzte ab), wurde im TS1500 die Erweiterung gleich eingebaut und bei der Gelegenheit die Tastatur verbessert. Die Gummitastatur erinnerte stark an den ZX Spectrum.

Der TS1500 scheiterte in den USA - Timex hatte durch die Kritik am TS1000 einen schlechten Ruf und die Technik dieses aufgemozten ZX81 war mittlerweile auch schon zwei Jahre alt.

Nur etwas später gab es dann die Timex-Version des ZX-Spectrum 16K: Timex TS2000. Das Gerät entsprach, sieht man vom Gehäuse ab, den Spectrum, hatte aber Schwierigkeiten, überhaupt in die Läden zu kommen. Der Grund war, das Timex es sich mit vielen Händlern verscherzt hatte. Diese waren noch äußerst verärgert, das viele TS1000-Geräte nicht verkauft werden konnten und wollten deshalb vom TS2000 nichts wissen. Der Fehler lag sicherlich bei Timex, denn die hatten mit ihren Clones immer 1 Jahr Verspätung gegenüber Sinclair, so das ihre Computer mit technologisch überlegenen Neuerscheinungen konkurrieren mußten.

Gleichzeitig mit dem TS2000 erschien der TS2048, die US-Variante des Spectrum 48K. Eine Besonderheit dieses Modells waren zwei eingebaute Joystick-Ports (Kempston). Auch der TS2048 verschwand schneller aus den Läden, als er gekommen war.

Timex TS2068

Der Mißerfolg des TS1500, TS2000 und TS2048 war für Timex nicht nur ärgerlich, sondern auch langsam existenzbedrohend. Also beschloß man die eigenen Clones technisch zu verbessern, um mit der aktuellen Technik mithalten zu können.

Der TS2068 basierte auf den Spectrum, die technischen Änderungen gingen aber sehr tief. Der Soundchip war der in vielen Computern verwendete AY-3-8912, der auch in späteren Spectrum-Computern verwendet wurde. Dieser Soundchip war zwar dem SID des C64 unterlegen, aber immerhin besser als das 1 Kanal Gebrumme des ZX-Spectrum. Der ROM-Bereich wurde auf 24 KB erweitert, in dem ein erweitertes Basic Platz fand. Dieses Änderung hatte zur Folge, das nur ein Bruchteil der kommerziellen Spectrum-Programme lief. Ein "Spectrum-Emulator", der im Grunde nur das normale Spectrum-ROM enthielt, sorgte dann für eine fast hundertprozentige Spectrum-Kompatibilität. Die letzte Änderung betraf die Grafik: bis zu 512*192 Pixel waren möglich.

Comx 35

Ein Computer, mit dem man sehr geduldig sein sollte, war der Comx 35. Zwar präsentierte sich der Computer im professionellen Look, wurde aber bald eher für sein Basic bekannt. Dieses Basic war nämlich sehr langsam und sorgte schon bald dafür, daß der Comx 35 zu Tiefstpreisen verschleudert wurde.

Videospiel-Crash

Mit dem Erfolg der Heimcomputer sank der Stern der Videospiele. Die Möglichkeit selber Spiele zu programmieren reizte viele Käufer zu einem Computer zu greifen. Der Videospielmarkt wurde mit Konsolen und Spielen übersättigt und hatte mit dem technischen Fortschritt der Heimcomputer nicht Schritt gehalten.

Der ganze Videospielmarkt brach fast über Nacht in sich zusammen: Atari vernichtete mehrere tausend Spiele, die nicht verkauft werden konnten. Die kleineren Videospielfirmen gingen Pleite und die Softwarefirmen zogen sich schnell zurück. Zu den ersten Firmen, die ihre Konsequenzen zogen, zählte Parker und das obwohl viel Geld für lukrative Lizenzen ausgegeben wurde ("Hulk", "Herr der Ringe", "McDonalds").

Im Verlaufe des Jahres 1983 und 1984 verschwanden sämtliche Konsolen vom Markt, bis auf eine. Das VCS 2600 überlebte den Videospiel-Crash dank seiner großen Auswahl an Spielen und wurde - mit kleinen Unterbrechungen - bis 1990 weiter produziert.

CreatiVision

CreatiVision war eine Videospielkonsole, die mitten im Crash unterging. Dabei war das System keine reine Konsole, denn es konnte ein Kassettenrekorder angesteckt werden. Wenn man die beiden Drehregler in die Konsole legte, entstand eine komplette 48-Tasten Folientastatur. Diese Tastatur war jedoch eine echte Zumutung und technisch war das System veraltet.

Atari VCS5200

Noch ein System, das durch den Crash keine Chancen hatte: das Atari VCS5200. Das System war eigentlich ein Atari XL ohne Tastatur, wurde aber mit einer Reihe hervorragender Automaten-Umsetzungen bedient. Die Module waren jedoch weder zum XL noch zum VCS2600 kompatibel und so wurde das VCS5200 schnell wieder eingestellt. Es blieb der etwas verklärte Ruf eines "Super-Systems".

Atari XL

Da hatte es Ataris zweite Neuheit, die XL-Serie schon einfacher. Der 600XL trat die Nachfolge des Atari 400 an, der 800XL war als Nachfolger des Atari 800 vorgesehen. Neben dem eleganteren Gehäuse gibt es eine Menge Detailänderungen aber die Kompatibilität blieb größtenteils erhalten. Obwohl die Technik praktisch noch von 1979 stammt, waren die XL-Computer auch Neuerscheinungen wie dem C64 zumindest teilweise überlegen. Die Popularität des C64 erreichte die XL-Reihe nie, denoch überschritten die Verkaufszahlen die Millionen-Grenze. Ebenso wie auf dem C64 machte das Raubkopieren von Spielen den Herstellern zu schaffen. Kultspiele wie "Ballblazer" und "M.U.L.E" besaß fast jeder, aber sie verkauften sich zusammen nur etwa 4000 Mal.

Das dritte Modell, der 1450XLD, wurde nur in geringen Stückzahlen produziert. Mit erinem eingebauten Sprachsynthesizer und Diskettenlaufwerk war der Computer zwar ein interessantes Gerät, aber für einen Heimcomputer etwas überdimensioniert. Das eingebaute Modem wäre zudem aufgrund der rigiden Zulassungspolitik der Deutschen Bundespost hierzulande sowieso nicht erlaubt gewesen.

MS-Windows/MS-DOS 2.0

Microsoft kündigt an: Microsoft Windows sollte im April 1984 erscheinen. Bereits im April 1983 wurde das Programm als Interface Manager vorgestellt. Der Partner IBM zeigte sich jedoch weitgehend desinteressiert, denn eine eigene Lösung war bereits unter dem Namen TopDesk in Entwicklung. Interessanter war da schon MS-DOS 2.0, das mit dem neuen IBM-XT ausgeliefert wurde. Die Hauptverbesserungen am MS-DOS 2.0 waren die Unterstützung von 10 MB Festplatten und 360 KB Diskettenlaufwerken.

IBM PCjr

(Oktober)IBM war sich nicht schade genug, sich bis an die Knochen zu blamieren. Sie stellten als Heimcomputer einen Kinder-Computer für rund 4000 Mark vor, den PC Junior. Selbst Der Codename des Computers während der Entwicklung war "Peanut" (Erdnuß) und selbst IBMs Techniker nahmen ihre Schöpfung nicht richtig ernst. Ein Infrarot-Keyboard, daß scheinbar seinen eigenen Willen hatte und ein Laufwerk gehörten zu seiner Austattung. Die Tastatur soll derart katastrophal gewesen sein, daß IBM eine Umtauschaktion anbot. Doch der PC Junior geriet zum finanziellen Fiasko. IBMs Image vom unbesiegbaren Konzern hatte einen schweren Schlag erlitten. Am Anfang sah es noch gut aus, denn der Spiele-Konzern Sierra unterstützte den neuen Computer mit eigens dafür programmierten Spielen.

Was man mit dem PCjr so alles machen kann, zeigte Spinnaker Software - brennen sollte der PCjr. Die Programmierer waren wohl zu frustriert von dem kaum funktionsfähigen Infrarot-Keyboard und einigen anderen Eigenheiten, das sie versucht hatten, ihr PCjr-Geräte zu verbrennen. Aber IBM-Computer waren von jeher nicht nur gegen Stürze geschützt, sondern auch gegen Brände - der PCjr verbrannte jedenfalls nicht.

MSX-Standard

Microsoft, die amerikanische Computerfirma SpectraVideo und 14 japanische Firmen kündigen den MSX-Standard an. Einige Maschinen erscheinen noch 1983, doch richtig los geht es erst 1984.

Pioneer PX-7 PALCOM

Größe Pläne hatten einige der MSX-Hersteller. Pioneer zeigte den Pioneer PX-7 PALCOM mit einem Laserdisk-Player. Die Laserdisk ist praktisch eine CD im Schallplatten-Format - dementsprechend hoch ist ihre Speicherkapazität, wenn auch geringer als die der DVD. Die Laserdisk-Technologie war damals von Spielautomaten bekannt, die Grafik in Zeichentrick-Qualität boten, jedoch mit Einbußen bei der Interaktivität. Die Technologie konnte sich aufgrund des Preises und mangelnder Unterstützung nicht durchsetzen, der Pioneer war eines der ersten Multimedia-Projekte. Einige Laserdisk-Spiele schafften es bis in die Neunziger (Dragon's Lair, Space Ace).

Computer ist "Mann des Jahres"

Zusätzliche Publicity bekam die Computerindustrie durch das Time Magazin: Sie kürte den Computer zum Mann des Jahres.

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